Dieses Mal habe ich nicht alleine getestet, sondern Unterstützung vom Buchautoren Ralf Czybulinski und seiner Buntnasenbande bekommen.

Ralf Czybulinski hat bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Futtermitteln gesammelt und einen ausführlichen, meiner Meinung nach sehr konstruktiven Bericht verfasst. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei ihm bedanken, dass er mir diesen zur Verfügung stellt.


Bewertung: „Natural GRASSLAND TORTOISE FOOD“
Testmenge: 2 mal ZooMed Natural Grassland Schildkrötenfutter 1,7kg
Vorwort: Da jeder Praxistest nur aussagekräftig ist, wenn man Testergebnisse vergleichbarer Produkte hinzuzieht, habe ich mir mal die Freiheit genommen, und habe meine favorisierten Futtersorten für Vergleichswerte genommen. Ich halte Köhlerschildkröten, die über den Winter hinweg aktiv gehalten werden und somit auch mit Futter versorgt werden müssen. Mein Winterfutter besteht zu 90% aus frischem Grünfutter wie Wildkräutern, die ich selber anbaue und verschiedenen Salatsorten. Zudem erhalten meine Tiere tierische Kost und jeden Tag Heu.
Rohfaserreiches Heu in Form von selbst gemachtem Kräuterheu und natürlichem Heu aus dem Fachhandel wird hier angeboten.
Bewertung: Bewertet habe ich.  Das Preis/Leistungsverhältnis  Den ersten Eindruck  Die Handhabung  Die Akzeptanz  Die Verträglichkeit  Die Verwendbarkeit im Alltag  Das Fazit

Das Preis/Leistungsverhältnis: Da liegt gleich zu Beginn der Haken. Fast 20 Euro für 1700 Gramm Futter sind einfach zu teuer. Vergleichbare Anbieter verlangen gerade mal 60% des ZooMed-Preises. Und da ich ja bereits zu Beginn von Vergleichswerten geredet habe, nehme ich hier mal die Firma Agrobs. Da kosten 500 Gramm ca. vier Euro. 500 Gramm für 4 Euro zu 500 Gramm für 5,88 Euro. Ich gebe aber gerne zu, dass auch für andere Alternativprodukte ein ähnlicher Preis verlangt wird, wie für das ZooMed-Produkt.

Der erste Eindruck: Wenn ich mir ein Produkt kaufe, lese ich immer zuerst das was auf der Verpackung steht. Und da gibt es viel zu lesen. Wichtige Informationen, z.B. dass eine Höckerbildung nicht normal ist gibt es aber leider nur in englischer Sprache. Aber jetzt kenne ich wenigstens das internationale Zeichen für „No Pyramiding“. Das Futter selbst sieht gleichmäßig gepresst aus. Es fällt aber auf, dass sich im unteren Bereich viel Staub und zerbröseltes Futter ansammeln. Beim Öffnen des Deckels strömt mir ein angenehm riechender, süßlicher Geruch entgegen. Meerrettich und Anis zeigen erste Wirkung. Die Größe der Pellets ist gut gewählt. Von der Form und Größe her optimal für größere Schildkrötenarten… Die Verpackung ist sperrig und nicht unbedingt nachhaltig. Eine Tütenverpackung würde ich persönlich favorisieren…

Die Handhabung: Das Futter kann in Wasser eingeweicht werden. Dadurch entfaltet sich das Futter und vervierfacht sein Volumen. Und hier zeigt sich dann auch, warum diese Pellet-Größe gewählt wurde. Kleinere Schildkrötenarten hätten bei der Trockenfütterung Probleme bei der Aufnahme. Da ich das Vergleichsheu jedoch auch in Wasser aufweiche, habe ich mich in der ersten Woche entschieden, dieselbe Vorgehensweise beim ZooMed-Produkt anzuwenden. Das Futter löst sich innerhalb von ca. 30 Sekunden komplett auf. Da hat das Produkt der Firma ZooMed ganz klar die Nase vorn. In der zweiten Woche habe ich das Futter dann nicht mehr aufgelöst. Sowohl in der ersten, sowie in der zweiten Woche habe ich eine kleine Menge an eine Stelle ins Gehege gestellt, an die die Schildkröten nicht heran kommen. Diese Proben sollten mir zeigen, wie lange das Futter im Gehege stehen kann, bevor es nicht mehr gefressen werden sollte. Die Zeit der Fressbarkeit verkürzte sich im eingeweichten Zustand ca. um die Hälfte. Während das Futter unmittelbar nach der Darreichung süßlich und frisch riecht, fängt es im eingeweichten Zustand nach knapp einer Stunde an zu muffen. Nach knapp vier Stunden ist es so zusammen gefallen, dass man nur noch eine Pampe hat. Im trockenen Zustand stellt sich der muffige Geruch erst nach zwei bis vier Stunden ein. Ein Zerfall bei knapp 25 Grad und einer Luftfeuchte von 90 und 95% ist deutlich nach acht Stunden erkennbar. Ich weiß, dass das Futter für trockene Graslandschildkröten hergestellt wurde. Also nicht ganz die Bedingungen wie die in einem Köhlergehege…

Die Akzeptanz: Das beste Futter bringt einem Halter nichts, wenn die Tiere es nicht akzeptieren. Nun bin ich erfahren genug um zu wissen, dass der Halter den Tieren auch erst mal etwas Zeit einräumen muss, damit das Futter angenommen werden kann. Winter aktive Schildkröten sind für jede Abwechslung bei der Fütterung dankbar. Auch meine Köhlerschildkröten haben am ersten Tag zugeschlagen und die Futterschalen leer gefressen. Die neuen Gerüche und der Geschmack schienen zu stimmen. Doch nur einen Tag später war das Thema „lecker“ auch schon wieder beendet. In den folgenden fünf Tagen wurde das Futter gar nicht mehr angerührt. In der zweiten Testwoche habe ich dann Agrobs und das ZooMed Produkt in Schalen angeboten und da muss ich leider sagen, dass Agrobs von meinen Schildkröten gefressen wird. Das Grassland Tortoise Food hingegen blieb weiterhin liegen. Erst als ich es Ende der zweiten Woche trocken anbot wurde es von zwei Tieren sporadisch gefressen. Auch in den Folgewochen war Agrobs die bevorzugte Rohfaserquelle meiner Schildkröten…Koehlerschildkroete Zoomed Grassland tortoise food

Die Verträglichkeit: Die kann ich somit auch nicht wirklich beurteilen, da das Futter zwar einmal verschlungen wurde, danach aber eben nicht mehr. Der Zustand der Akzeptanz besserte sich auch in den Folgewochen nicht, so dass ich nicht bewerten kann, ob das Futter gut verwertet wird. Wobei bei einem Rohfasergehalt von 26 % ja nur 74 % des Futters wirklich verwertet werden können…

Die Verwendbarkeit im Alltag: Da habe ich bereits zuvor schon geschrieben, dass das Futter sobald es mit Feuchtigkeit in Berührung kommt schnell zerfällt, aber nicht verfällt. Für Wüstenschildkröten ist das Futter deshalb sicher gut verwendbar. Bei der Fütterung von Köhlerschildkröten habe ich bereits häufiger erfahren müssen, dass die klimatischen Verhältnisse nicht optimal für die Vorratsfütterung sind. Dennoch ist Grassland Tortoise Food von ZooMed gut verwendbar. Sollte zwar nach einer gewissen Zeit entfernt werden, was aber ganz normal ist.

Mein Fazit: Das Futter ist leider zu teuer, hat jedoch Vorteile was die Größe der Pellets im Vergleich zur Firma Agrobs angeht. Und wenn man das Futter nicht eingeweicht anbieten will. Ich würde mir eine reine Landestypische Verpackung wünschen, auf der die jeweilige Landessprache sofort zu finden ist. Natürlich muss man auch auf die Inhaltsstoffe achten und da habe ich auch ein paar Fragen.
Darf man ein Futter „natürlich“ nennen, dem so viel E-Produkte zugefügt wurden? Es werden Gräsernamen angeführt, die im deutschsprachigen Raum nur selten Verwendung finden. Anderswo werden dann die wissenschaftlichen (lateinischen) Namen aufgeführt und dann plötzlich wieder die Ringelblume. Warum keine einheitliche Angabe (wissenschaftliche und/oder deutsche Namen? Es wird viel Mehl verwendet. Sojabohnenschalen wurden zugefügt – warum die Schalen? Und die verschiedenen Hefen. Kein normaler Verbraucher weiß was deaktivierte Hefe ist.
Also bitte. Manchmal ist weniger echt mehr. Und sollte ich einem Irrtum unterliegen, bitte ich schon mal um Entschuldigung, aber Siliziumdioxid kenne ich nur als Quarz. Wofür wird Quarz dem Futter beigemischt? Betrachtet man alleine die analytischen Bestandteile klingt alles super.
Ich werde ZooMed Natural Grassland Tortoise Food meinen Köhlerschildkröten alle paar Wochen als Abwechslung anbieten. Zur Verwendung als Hauptfutter würde mich persönlich der hohe Preis abschrecken, da es vergleichbare Produkte auf dem Markt gibt, die deutlich günstiger sind und wie in meinem Fall auch besser angenommen werden. Ein Futter, das süßlich riecht weil es zum Beispiel mit Anis angereichert wird ist kein natürliches Futter mehr. Sensorische Zusatzstoffe einzusetzen ist völlig sinnfrei, wenn das Futter den Tieren nicht schmeckt. Die Firma Vitakraft versucht das ebenfalls durch das Zufügen von Honig. Mit dem Erfolg, dass die Tiere das Futter zu Beginn ebenfalls gerne aufnehmen. Nach dem die Schildkröten jedoch begriffen haben, dass das was sie da vorliegen haben, anders schmeckt als es riecht, lassen sie es genau so liegen wie bestimmte Pflanzen, die sie auch im frischen Zustand verschmähen würden…
Es ist schwer den großen Konkurrenten Agrobs vom Markt zu drängen. Warum wird nicht einfach ein wirklich vergleichbares Produkt auf den Markt gebracht? Lasst doch mal Anis und Meerrettich und andere geruchsintensive Zusatzstoffe weg. Eine getrocknete Pimpinelle riecht ebenfalls süßlich und die Schildkröten fressen sie. Mehl ist kein natürlicher Bestandteil bei der Nahrungssuche unserer Panzerträger. Getrocknete Hibiskusblüten wecken die Neugier der Tiere und werden sogar gefressen. Sie senken zwar den Rohfaseranteil, sind aber garantiert besser verwertbar als Sojabohnenschalen und Weizenmehl.
Würden meine Schildkröten das Futter fressen, würde ich im Monat 3400 Gramm kaufen müssen. 40 Euro für das Ergänzungsfutter könnte ich mir bestimmt leisten, aber will ich das?
Abschließend also noch mal: Es könnte ein gutes Futter werden. Momentan würde ich aber weiterhin das Konkurrenzprodukt empfehlen. Tut mir leid 😉
Ralf Czybulinksi
Bottrop am 24. Januar 2016


Ich kann mich dem nur anschließen.
Auch meine beiden Köhlerschildkröten fressen das Futter zunächst eifrig und an den darauffolgenden Tagen dann mit abnehmender Begeisterung. Nach einer zweiwöchigen Pause wird es dann als Abwechselung wieder ganz gerne genommen. Es handelt sich hierbei also um keinen Einzelfall.
Was meine Griechen zu dem Futter sagen würden, werde ich sicher nie herausfinden. Aktuell starren sie und in der aktiven Phase leben sie im bewachsenen Gehege und brauchen daher kein Fertigfutter. Für winterwache Schildkrötenarten wäre ein Futtermittel mit einer ausgewogenen Zusammensetzung und verschiedenen Sorten für ein wenig Abwechslung, sehr wünschenswert. Eigentlich eine Marktlücke, die hoffentlich bald gefüllt wird. Mal schauen von wem 🙂

Produkttest: ZooMed Natural Grassland Schildkrötenfutter im Vergleich zu Agrobs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.