Letztes Wochenende fuhren wir mit einigen Schildkrötenfreunden nach Landau zum 19. Landauer Schildkrötentag. Die meisten aus unserer Schildkrötengruppe haben diese Veranstaltungsreihe bereits in den Vorjahren besucht, für meinen Freund und mich war es jedoch der erste Trip nach Landau.

Da es am Samstag schon am Morgen losging, trafen wir bereits am Freitagabend in Rheinzabern ein. Viele von uns übernachteten in süßen Pensionen in diesem kleinen Ort, nicht weit entfernt von Landau. Abends saßen wir gemütlich zusammen und freuten uns auf das gemeinsame Wochenende.

Am Samstag ging es dann, nach einem gemeinsamen Frühstück, um 9 Uhr los. In der Universität Landau fand die Veranstaltung statt. Im Foyer gab es Verpflegung und einige Verkaufsstände mit Literatur, Zubehör, Schmuck und Deko. Auch die IGSN hatte einen Stand und wurde durch unseren ersten Vorsitzenden Andreas Beck vertreten. Es gab zudem einen Los- und Figurenverkauf zugunsten der Schildkrötenauffangstation Unterfranken.

Die Vorträge fanden in zwei Hörsälen statt. In Hörsaal 1 ging es vor allem um Europäische Landschildkröten. In Hörsaal 2 fand zum ersten Mal ein Wasserschildkrötenworkshop statt.
Ich habe an diesem Wochenende also die Uni „geschwänzt“, nur um dann in einem anderen alten Hörsaal zu sitzen, der fast genauso aussieht, wie der, an dem ich an jedem anderen Wochenende sitze. Abwechslung ist schon was feines.

Nach einer Begrüßung durch Thomas Klesius gab Christin Kern, Leiterin der Auffangstation für Landschildkröten Stuttgart, Einblicke in ihre Station.

Der erste Vortrag den wir uns komplett anhören konnten, fand im Hörsaal 1 statt und stammte vom frisch gebackenen Buchautoren und Websiteinhaber Lutz Prauser, zum Thema „Warum man Schildkröten lieben muss“. Mit einigem Witz und Charme setzte Lutz Prauser seinen Zuhörern, so wie den Lesern seines Buches, den Spiegel vor die Nase und regte zum Denken an. Das Buch zu diesem Vortrag habe ich mir direkt gekauft und signieren lassen. Ich freue mich schon aufs Lesen.

Nach diesem Vortrag gingen wir in den Hörsaal 2 zum Workshop. Dort gab es keine gewöhnlichen Vorträge mit den üblichen Powerpointpräsentationen, sondern Einblicke in Haltung und Habitat einiger nordamerikanischer Wasserschildkrötenarten. Hier war aktive Teilnahme der Zuhörer ausdrücklich erwünscht. Wer wollte konnte Fotos o.ä. mitbringen und spontan vorne etwas zum Thema beitragen oder als Zuhörer an konstruktiven Diskussionen teilnehmen.
Untern den Rednern und aktiven Zuhörern erkannte ich einige bekannte Gesichter aus Gersfeld. Als wir den Saal betraten zeigte Markus Auer Fotos und Notizen zur Haltung der Moorschildkröte (Glyptemys muhlenbergii). Moderiert wurde der Workshop von Mario Herz. Eine feste Agenda gab es hier nicht. Man wusste vorher nur, welche Arten thematisiert werden sollten. Der Rest wurde scheinbar spontan entschieden. So lauschten wir noch dem Austausch über Waldbachschildkröten (Clyptemys insculpta), Amerikanische Sumpfschildkröten (Emydoidea blandingi), Zierschildkröten (Chrysemys picta)Tropfenschildkröten (Clemmys guttata) und Pazifische Teichschildkröten (Actinemys marmorata). Die Diamantschildkröten (Malaclemys terrapin) haben wir leider verpasst. Echt schade, denn die finden wir gerade toll. Da sie im Programm ganz unten auf der Liste standen, dachten wir, dass sie nicht gleich als erstes thematisiert werden und sie somit nicht verpassen, wenn wir einen der ersten Vorträge in Hörsaal 1 anhören. Hier würde ich mir dann doch einen strukturierteren Ablauf wünschen, damit man sich besser aufteilen kann.
Zu den bekannten Gesichtern, die ich soeben erwähnte, gehörten Buchautor Andreas S. Hennig, Benedikt Machnik und Herbert Becker, die wie Markus Auer und Mario Herz ebenfalls in Gersfeld vorgetragen haben. Herbert Becker, der nun auch in Landau zu Rednern gehörte, übernahm den Part zur Waldbachschildkröte.
Unser „Lieblingsvortrag“ stammte von Günter Kalter. Noch bevor wir wussten, dass er im Zuge des Workshops gleich einen Vortrag hält, suchten wir am Stand des Chimairaverlages nach einem Buch zum Thema Teichbau und kauften das von Günter Kalter. Als wir hörten, dass er anwesend war, suchten wir ihn auf und baten ihn um ein Autogramm, welches er uns gerne gab. Dann stand er plötzlich unten am Rednerpult und zeigte uns ein paar Dinge aus genau diesem Buch. Spätestens nach diesem Vortrag hätten wir es uns dann eh gekauft. Wir sind total begeistert von seinen Filterteichen!
Der gesamte Workshop wurde protokolliert und soll, wenn alles klappt, in der RADIATA abgedruckt werden. Da könnt ihr also hoffentlich bald sämtliche Details nachlesen. 

Im Hörsaal 1 entgingen uns währenddessen ein Vortrag über Freianlagen für Europäer von Martin Hallmen, ein Vortrag der Tierärztin Sophie Budde über die Zusammenarbeit von Tierarzt und Halter und ein Vortrag über testudo marginata von Mario Herz, bei dem sich manche Zuhörer immer noch nicht sicher sind, ob er seine Breitrandschildkröten während der Winterstarre wirklich lose in den Kühlschrank legt und gelegentlich ansprüht oder ob das ein Missverständnis war. Ich war leider nicht dabei, aber vielleicht löst sich das ja noch auf 🙂 Gesprächsstoff gab es aber wie nach jeder Veranstaltung reichlich.

Gegen 16 Uhr war der Schildkrötentag in der Universität dann zu Ende. Wir packten schnell den IGSN Stand in Andreas Auto und fuhren dann gemeinsam zum Zoo Landau. Tagungsbesucher hatten hier freien Eintritt.

Der Zoo ist relativ klein und echt süß. Es gab einige Schildkrötenarten zu sehen. In einem großen Aquarium tummelten sich einige Wasserschildkröten, darunter eine Schnappschildkröte, mit zwei Kaimanen. Angeknabberte Tiere sahen wir keine.

Koehlerschildkroete im Zoo Landau

Ein Stück weiter sahen wir die größte Köhlerschildkröte, die wir je gesehen haben. Unsere gesamte Gruppe war erstaunt über dieses große und zugleich sehr schöne Tier. Die Größe kommt auf den Fotos leider gar nicht richtig zur Geltung. Weil mich die Neugierde zu sehr quält wie groß, schwer und alt dieses schöne Männchen ist, habe ich den Zoo Landau angeschrieben und gefragt, ob sie mir diese Daten zur Verfügung stellen könnten. Da man die Daten nicht zur Verfügung hatte, hat man ihn extra ausgemessen. Der Köhlermann hat eine Carapaxlänge von 37cm und an der dicksten Stelle eine Breite von 26cm. Er wiegt 12kg und ist im Jahr 1989 geschlüpft. Seit 2012 lebt er im Zoo Landau. Ich freue mich riesig, dass man sich extra diese Mühe gemacht hat. Daher möchte ich mich herzlich bei der Kuratorin Frau Dr. Schubert bedanken.

Truppe im Zoo LandauNach dem Zoobesuch trafen sich dann viele der Schildkrötenfreunde in einer Pizzeria und aßen gemeinsam XXL Pizzen. Danach saßen wir in ähnlicher Konstellation wie am Vorabend gemeinsam in der Pension.

Am Sonntag gab es dann noch mehr Schildkröten zu sehen, denn wir durften auch noch in das Reptilium in Landau. Ebenfalls kostenlos. Ein großer Indoorzoo mit einem kleinen Außenbereich hinten.
Direkt am Eingang befand sich die Babystation. Winzige Stern- und Köhlerschildkröten, teilweise noch mit Eizahn, fraßen gemeinsam ihr Frühstück.Reptilium Landau Babystation

In der ersten Halle sahen wir Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri), Sternschildkröten (Geochelone elegans), Madagassische Schnabelbrustschildkröten (Astrochelys chersina) und Köhlerschildkröten (Chelonoidis carbonarius), aber auch dunkle Krötenkopfschildkröten (Phrynops geoffroanus), riesige Rotbauch-Spitzkopfschildkröten (Emydura subglobosa), Amboina Scharnierschildkröten (Cuora amboinensis) und Siebenrock’s Schlangenhalsschildkröten (Chelodina siebenrocki). Die Schlangenhälse waren in Paarungslaune.

In der zweiten großen Halle sahen wir eine Spornschildkröte (Geochelone sulcata) in einer WG mit Erdmännchen, zahlreiche Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) und wunderschöne Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata).

Im Außenbereich ging so langsam die Sonne auf und die Schmuckschildkröten sonnten sich am Ufer. Während die meisten ins Wasser hechteten, sobald wir um die Ecke kamen, blieb eine knallhart sitzen, selbst als wir 30cm neben ihr standen. Dieses hübsche Tier muss eine lange Zeit in einem Aquarium gelebt haben und somit die Nähe von Menschen gewohnt sein. Im Griechengehege wurde es dann auch langsam aktiv und die ersten Griechen kletterten aus ihrem Gewächshaus in die Sonne, um anschließend zu frühstücken.

 

Auch wir genossen noch ein wenig die Sonne bevor wir aufbrachen. Einige der Truppe fuhren noch in das nahegelegene Kakteenland. Unsere Fahrgemeinschaft wollte jedoch lieber nachhause, denn wir hatten noch ca. vier Stunden Fahrt vor uns, inklusive einem kurzen Besuch bei Elke Grunwald aus unserer Fahrgemeinschaft. Es war auf jeden Fall eines der besten Schildkrötenwochenenden, bei denen wir je dabei waren, aber auch echt anstrengend 🙂

Weitere Fotos, zu noch mehr Schildkröten, aber auch ein paar anderen Tieren aus beiden Zoos, folgen wie immer auf facebook.

19. Landauer Schildkrötentag

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