Immer wieder sieht man z.B. auf facebook Fotos von Meeresschildkröten mit rieseigen Geschwülsten und Tumoren am Körper, häufig im Kopfbereich. Aber was ist das? Wucherungen durch Verletzungen? Das dachte ich beim ersten Bild, dass ich sah. Die Schildkröte hatte sich in einem Fischernetz verfangen.

Es handelt sich jedoch um einen Herpesvirus, der eine sogenannte Fibropapillomatose auslöst. Dadurch bilden sich diese Krebsgeschwülste. Häufig an Hals, Mund, in den Augen, an den Flossen aber auch an den inneren Organen. Im letzteren Falle führt dies häufig zum Organversagen und dem schmerzhaften Tod der Meeresschildkröten. Äußerlich können die Tumore jedoch dazu führen, dass die Schildkröten keine Nahrung mehr aufnehmen können. Entdeckt wurde die Krankheit im Jahre 1938.

Auf Hawaii gibt es eine Forschungseinheit, die die gestrandeten Schildkröten während der Eiablage überwacht und untersucht. 60% von ihnen sind mit Tumoren übersät und oft dem Tode geweiht. Viele müssen daher eingeschläfert werden, um ihr Leiden zu beenden.

Ein Großteil aller Meeresschildkröten ist mit diesem Herpesvirus infiziert. Wie sich die Schildkröten anstecken ist bisher ungeklärt. Man vermutet eine vertikale Ansteckung, also von der Mutter zum Ei. Auch ist noch nicht klar, wieso und wann die Fibropapillomatose ausbricht. Bei dem normalen Lippenherpes bei uns Menschen kommt es vor, dass der Virus zwar schon seit Jahren im Organismus schlummert, jedoch nie ausbricht.

Sollten sich die Babys erst nach dem Schlüpfen anstecken, könnte ein Impfstoff die Lösung sein. Abgesehen, von der Schwierigkeit ihn zu entwickeln, müsste man noch in Erfahrung bringen, wann sich die Schildkröten anstecken. Wenn dies im jungen Alter passiert, wäre eine Impfung der Schlüpflinge möglich. Da der Impfstoff jedoch irgendwann an Wirkung verliert, nützt er nichts, wenn im Erwachsenenalter ebenfalls eine Ansteckungsgefahr besteht. Hier wären Auffrischungsimpfungen nötig.

Der Virologe Mathias Ackermann arbeitet gleichzeitig an einer Therapie für die erkrankten Schildkröten, als auch an einem Impfstoff. Da Hawaii seine Meeresschildkröten streng schützt, darf er jedoch nicht einmal Zellproben bereits verstorbener Meeresschildkröten in die Schweiz holen. Dazu kommt, dass sie der Virus nicht in Zellkulturen züchten lassen will.

 

Quellen/ Auch nachzulesen bei:
Osha Gray Davidson: Sanfte Riesen. Das rätselhafte Sterben der Meeresschildkröten (2003)
http://www.175jahre.uzh.ch/ausstellungen/tram/postkarten2/schildkroeten.html
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-8580-2008-07-28.html

 

Nachträglich erschienene Quellen:
http://www.n24.de/n24/Wissen/Mensch-Natur/d/8057852/herpesviren-bedrohen-floridas-meeresschildkroeten.html
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article152143518/Immer-mehr-Meeresschildkroeten-mit-Tumoren-uebersaet.html

Erkrankungen: Fibropapillomatose bei Meeresschildkröten

3 Gedanken zu „Erkrankungen: Fibropapillomatose bei Meeresschildkröten

  • 12. Januar 2015 um 0:09
    Permalink

    Hallo,
    ich habe eine solch betroffene Schildkröte vor zwei Wochen auf Maui/Hawaii gesehen. Es sieht echt furchtbar aus, muss eine schreckliche Qual für das Tier sein und es ist schade, dass der Artenschutz manchmal so weit getrieben wird, dass Forschern bei ihrer Arbeit Steine in den Weg gelegt werden.
    Danke für den Beitrag, damit ich jetzt weiß, was ich da gesehen und fotografiert habe.
    Viele Grüße
    Silke Riedel

    Antworten
    • 12. Januar 2015 um 8:00
      Permalink

      Hallo Silke,
      so etwas direkt vor sich zu sehen, stelle ich mir furchtbar vor. Hat sich denn jemand um das Tier gekümmert?
      Aber trotzdem freue ich mich, dass der Beitrag weitergeholfen hat. Evtl. dürften wir eines der Fotos in unserem Beitrag einarbeiten?
      Viele Grüße
      Anika

      Antworten

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