Bei der Hypervitaminose handelt es sich um eine Vitamin- Überversorgung. Diese kann zu einer lebensbedrohlichen Vergiftung führen.

Zu einer Hypervitaminose kommt es, wenn entweder der Halter durch Vitaminpräparate oder ein unerfahrener Tierarzt durch Injektionen, zu hohe Dosen verabreicht haben. Dabei sind es meist fettlösliche Vitamine wie A und D, die eine Überversorgung verursachen. Das liegt daran, dass sie nicht wie wasserlösliche Vitamine einfach über die Nieren ausgeschieden werden können.

Meistens geschieht eine Hypervitaminose bei Schildkröten im Zusammenhang mit dem Vitamin A. An dieser können sowohl Land- als auch bei Wasserschildkröten erkranken.

Beispiel aus eigener Erfahrung: Eine griechische Landschildkröte leidet an einer Bindehautentzündung. Der unerfahrene Tierarzt schließt von Wasserschildkröten auf Landschildkröten. Wasserschildkröten bekommen, wie er eben in einem Buch nachgeschlagen hat, durch Vitamin A- Mangel Bindehautenzündungen. Also verschreibt er ein Vitaminpulver und spritzt der Schildkröte ins Ärmchen zustätzlich eine Vitamin A- Lösung.
Die Wahrheit, die dann durch einen fachkundigen Reptilienarzt ans Licht kommt, weil die Bindehautenzündung nicht besser wird: Landschildkröten leiden eigentlich nie an Vitamin A- Mangel, da ein sehr großer Teil ihrer Nahrung reich an Karotinoiden ist. Schildkröten sind in der Lage Vitamin A aus diesen Karotinoiden, in der passenden Menge, zu synthetisieren.
Die Bindehautentzündung kann stattdessen z.B. durch eine falsche Beleuchtung (Energiespar- UV- Lampen) verursacht worden sein. Das Vitamin A welches gespritzt wurde, stellt sich nun als lebensbedrohlich dar. Vitamin A sorgt für die Häutung. Durch eine Überversorgung kann es zu Hautenzündungen (Dermatitis) und übermäßigen Hautablösungen kommen. Ganz drastisch: Auch in den Nierenkanaälen kann sich Haut bilden und diese verstopfen.

Symptome: Ist die Haut stark betroffen, können die offenen Stellen bis auf den Muskel reichen und sehen daher rosa aus. Ähnlich einer Verbrennung. Betroffene Stellen befinden sich häufig an Hals, Schwanzbereich und den Beinen. Auch Hornschilde können sich lösen. Die Schildkröten sind zudem oft apathisch und appetitlos. Wie bereits erwähnt, können auch die inneren Organe betroffen sein und z.B. die Nierenkanäle verstopfen. Leberentzündungen können ebenfalls die Folge sein und zu einem Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie) führen. Dieser zeigt sich durch übermäßigen Durst und Urinabsatz. Bei trächtigen Weibchen kann es zu Missbildungen des Nachwuchses kommen.

Behandlung: Eine direkte Behandlung gibt es nicht, sondern nur eine Symtomatische. Natürlich alles in begleitung eines Reptilientierarztes. Die Wunden müssen täglich gereinigt werden. Hier helfen z.B. Kamillen- oder Schwarzteebäder. Auch Antibiotika finden hier Einsatz, damit sich die Wunden nicht entzünden. Sollte der Wasserhaushalt der Schildkröte gestört sein, müssen Infusionen diesen wieder ausgleichen. Wasserschildkröten müssen trocken gehalten und zum Fressen in sauberes Wasser gesetzt werden.
Verbände o.ä. sollten nicht einfach angelegt werden, da diese schnell die Gliedmaßen abschnüren können. Hier sollte nur ein Tierarzt ran, der ja sowieso aufgesucht werden muss. Für Wasserschildkröten gibt es sogar wasserlösliche Verbände.

Viele Schildkröten, die an wirklich schweren Hypervitaminosen leiden, schaffen es nicht.

Fazit: Ernährt eure Schildkröten ausgewogen, denn dann sollten Vitaminpräparate nicht nötig sein. Wenn Vitaminpräparate wirklich benötigt werden, müssen diese richtig dosiert werden. Hier kann ebenfalls ein Tierarzt um Hilfe gebeten werden. Lest vor allem die Packungsbeilagen ordentlich durch. Immer wieder liest man von Haltern, die Präparate täglich verfüttern, obwohl einmal die Woche empfohlen wird.
Und was natürlich immer gilt: Geht zu einem fachkundigen Reptilienarzt. Kleintierärzte handeln nicht böswillig und versuchen nur zu helfen, jedoch sind sie für die Behandlung eurer Lieblinge nicht ausgebildet und machen oft mehr kaputt als besser.

 

Quellen:
Carolin Dennert (2008): Ernährung von Landschildkröten, 4. Auflage. S. 99f. Münster: Natur und Tier – Verlag

Erkrankungen: Hypervitaminose A

4 Gedanken zu „Erkrankungen: Hypervitaminose A

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