Es gibt diverse Knochenerkrankungen bei Schildkröten. Dazu zählen Rachitis, OsteomalazieOsteoporose  und Osteodystrophia fibrosa.

Alle vier Erkrankungen betreffen das Skelett und die Struktur und Mineralisierung der Knochen. Jedoch sind die Ursachen, trotz mancher Ähnlichkeiten, unterschiedlich.

Wir beginnen nun mit der Rachitis. Dieser Begriff ist den meisten sicher bekannt und wird fälschlicherweise häufig auch für die drei weiteren Erkrankungen verwendet.

Rachitis ist eine Skeletterkrankung die in erster Linie Jungtiere betrifft. Junge Schildkröten besitzen einen noch recht weichen Panzer. Beim sogenannten „Brötchen-Test“, also dem leichten Drücken mit den Fingern auf Plastron und Carapax, fühlt man, wie fest der Panzer einer jungen Schildkröte schon ist. Bei Jungtieren gibt er wie Hartgummi nach, später sollte er immer starrer werden. Schlüpflinge haben einen so weichen Panzer, dass er im Ei sogar „gefaltet“ ist. Dadurch entsteht ein Knick am Plastron, der noch eine Weile nach dem Schlupf zu sehen ist.

Der Knorpel dient zunächst als Platzhalter, für das spätere Skelett. Die Verhärtung tritt ein, wenn der knorpelige Panzer des Jungtieres Mineralien einlagert. Ist das Jungtier nicht in der Lage die nötigen Mineralien einzulagern, hat dies zur Folge, dass der Panzer weich bleibt. Das Tier erkrankt also an Rachitis.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Sowohl der Mangel an Vitamin D3, als auch der Mineralstoffe Phosphor und/ oder Kalzium, kann dazu beitragen. Diese Stoffe stehen in direkter Verbindung zueinander und sind sozusagen von einander abhängig, um das Skelett einer Schildkröte zu mineralisieren.

Knochen bestehen zum größten Teil aus der Verbindung der beiden Mineralien Phosphor und Kalzium. Diese müssen also zur Genüge und in richtiger Dosierung zur Verfügung stehen. Nur durch das Vitamin D3, ist es dem Organismus jedoch möglich, die Mineralstoffe überhaupt einzulagern. Vitamin D3- Mangel wird häufig durch unzureichende UV- Strahlung verursacht. Einen Teil des Vitamins kann der Körper selbst produzieren, jedoch muss der größte Teil produziert werden. Durch Futtertiere und -pflanzen nehmen Tiere die Vorstufen des Vitamin D3 auf und verarbeiten sie mit Hilfe des UV- Lichts weiter. Im Handel findet man Vitamin D3 Präparate, die man den Tieren direkt verabreichen kann. Da der genaue Bedarf jedoch noch nicht erforscht wurde, ist eine richtige Dosierung für den Laien quasi unmöglich.

Wärme und Stress spielen hier zudem ebenfalls wichtige Rollen, da sie sich auch auf den Stoffwechsel auswirken.

Erkennbare Symptome einer Rachitis sind vor allem eine Deformation des Panzers oder sogar des restlichen Skeletts. Panzer und Knochen sind nicht nur weich, sondern wirken auch eingefallen. Der Panzer wird höckrig, sieht flach aus, wird oft hinterher gezogen. Die Hinterbeine sind verbogen und werden ebenfalls gezogen. Schädel und Kiefer können auch betroffen und weich sein. Dies erschwert die Nahrungsaufnahme. Jungtiere sind zudem oft zu groß für ihr Alter.

Um Rachitis vorzubeugen ist es dringend erforderlich, den jungen Schildkröten von Beginn an eine große Auswahl an Nahrung zu bieten. Schildkröten wissen am besten, welche Bedürfnisse sie haben und ernähren sich dementsprechend.

Zudem sollten Sepiaschalen immer angeboten werden. Auch wenn die Jungtiere eine lange Zeit nicht an die Schalen gehen, dürfen sie nicht entfernt werden. Es ist völlig normal, dass die Aufnahme sehr unregelmäßig erscheint. Auch hier wissen die Tiere am besten, was sie brauchen und nehmen die richtige Menge an Kalzium instinktiv auf. Von Kalziumpulver, welches auf das Futter gegeben wird, raten wir ab. Hier können die Tiere nicht mehr regulieren, wie viel sie aufnehmen wollen und nehmen evtl. zu viel auf.

Bei der Wahl der Technik sollte ein erfahrener Halter hinzugezogen werden, damit eine ausreichende UV- Strahlung und ein optimales Temperaturgefälle gewährleistet werden. Jedoch ist die echte Sonne durch keine Technik zu ersetzen, sodass sie immer vorgezogen werden sollte.

Bereits erkrankte Tiere müssen umgehend einem Arzt vorgestellt werden. Er kann schauen wie schlimm es um das Tier steht und oft schnell die Ursachen klären. Die Haltungsfehler müssen natürlich behoben werden. Auch wenn die Knochen nachträglich noch mineralisieren können, kann man die Deformationen nie wieder beheben.
Je nach Schweregrade wird eine Therapie angesetzt. In leichten Fällen reicht die verbesserte Haltung. Bei schweren Fällen sind Infusionen und Zwangsfütterung notwendig. Da diese geschwächten Tiere häufig auch parasitär befallen sind, muss evtl. eine Wurmkur durchgeführt werden. In jedem Fall müssen die Patienten nun genau beobachtet werden. Können sie problemlos fressen und Kot und Urin absetzen? Deformierte Beckenknochen können bei Weibchen zur Legenot führen. In sehr schlimmen Fällen, haben zu schnell gewachsene Exemplare sogar Schwierigkeiten der Kopf durch die Panzeröffnung zu strecken, da sie zu eng ist. So schwere Fälle können nicht immer gerettet werden.

 

Quellen:
Carolin Dennert (2008): Ernährung von Landschildkröten, 4. Auflage. S. 94. Münster: Natur und Tier – Verlag

 

Skeletterkrankungen: Rachitis

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