Gelegentlich können Halter beobachten wie Ihre Tierchen ihren eigenen Kot oder den ihrer „Mitbewohner“ fressen. Erst letztens entdeckte ich ein frisches Häufchen und holte etwas Klopapier um es rauszuholen. Als ich wieder vor dem Terrarienschrank stand, hatte Sheldon sich der Sache schon angenommen und ich konnte nur noch angewidert zusehen.

Diese Beobachtung bereitet manchen Haltern Sorgen. Immer wieder wird behauptet, dass das Kotfressen ein klares Indiz für eine Unterversorgung sei. Jedoch ist das Fressen von Kot in der Tierwelt völlig normal und vor allem bei pflanzenfressenden Reptilien sogar wichtig. So bewies eine Studie, dass Leguanjungtiere ohne die Möglichkeit den Kot erwachsener Tiere zu fressen wesentlich schlechter wachsen und keine so komplexe Darmflora besitzen, wie ihre Artgenossen mit der Möglichkeit (egal ob freilebend oder in Gefangenschaft).

Man geht davon aus, dass Pflanzenteile so weiter verdaut und wichtige Darmmikroorganismen wieder aufgenommen werden. Zudem nimmt man an, dass das Vitamin K, wie bei anderen Tierarten, im Dickdarm der Schildkröte von Bakterien produziert und somit wieder aufgenommen und verwertet wird.

Natürlich ist es für uns nicht gerade appetitlich mit anzusehen, wie die eigene Schildi ihren Kot verzehrt. Anders als bei Hunden oder Kaninchen, kuschelt man jedoch weniger mit seiner Schildkröte und wird auch eher selten abgeschleckt 😉
Kleiner Exkurs: Hundewelpen fressen schon im Nest ihren Kot. Zum einen schauen sie es sich von ihrer Mutter ab, die das Nest sauber halten will, zum anderen um ebenfalls die Darmflora gesund zu halten. Kaninchen fressen sogar 100% ihres Kots. Ihre Verdauung funktioniert so, dass das Futter zwei Mal verdaut werden muss damit die wichtigen Nährstoffe aufgenommen werden können. Erst nach dem zweiten Verdauungsvorgang entstehen diese kleinen, trockenen Kügelchen, die jeder kennt. Den ersten, feuchten Kot fressen sie sofort und nehmen ihn direkt vom After weg. Ohne würden sie verhungern. Findet man diesen feuchten Kot im Käfig, ist das Kaninchen krank.
Da finde ich das gelegentliche Mampfen unserer Schildkröten doch noch besser.

Man muss sich also nicht gleich Sorgen machen, wenn man seine Panzerchen bei diesem unleckeren Mahl erwischt.

 

Quellen:
Carolin Dennert (2008): Ernährung von Landschildkröten, 4. Auflage. S. 24. Münster: Natur und Tier – Verlag
Wolfgang Wegehaupt (2003): Die natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröten, 1. Auflage. S. 113. Tettnang: Wegehaupt  Verlag

Kotfressen

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