Mediterrane Landschildkröten besitzen als Vegetarier einen anderen Verdauungstrakt als Fleischfresser.
Der Unterschied liegt darin, dass der Dünndarm bei Schildkröten wesentlich kürzer ist, als bei Fleischfessern. Im Gegenzug sind der Blind- und Dickdarm länger. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Dünndarm für die Verwertung von tierischem Eiweiß zuständig ist. Schildkröten nehmen jedoch überwiegend pflanzliche Kost zu sich. Diese wird im Dickdarm verwertet, der daher stärker gebraucht wird.
Damit die Verdauung optimal läuft und die Darmflora gesund bleibt, ist es wichtig seine Schildkröten richtig zu ernähren. Falsche Nahrung kann schnell zu einer zerstörten Darmflora führen. Eine zerstörte Darmflora ist gefährlich, da sie Durchfall und sogar einen Parasitenbefall begünstigt. Bei Durchfall können Schildkröten schnell dehydrieren. Desweiteren kann eine falsche Ernährung auch zu schnellem Wachstum und irreparablen Schäden führen. Die Knochen und der Panzer wachsen zu schnell und lagern nicht genügend Calzium ein. Der Panzer wird höckrig oder im schlimmsten Fall weich.

Eigentlich ist es mit wenigen Faustregeln recht einfach, dies alles zu vermeiden und seine Schildkröten stattdessen richtig zu ernähren. Ungeeignetes Futter muss zu allererst vermieden werden.

Ungeeignetes Futter:

  • Salat (bis auf wenige Ausnahmen ungeeignet)
  • Milchprodukte (zerstören die gesunde Darmflora. Zudem sind Milchprodukte nur bei Säugetieren natürlich und nicht bei Reptilen etc.)
  • Obst (zu viel Zucker, der die gesunde Darmflora zerstört)
  • Getreideprodukte (Kohlenhydrate sind ebenfalls nicht naturnah und zerstören die natürliche Darmflora)
  • Fleisch (tierisches Eeiweiß führt zu einem viel zu schnellen Wachstum, welches irreparable Schäden mit sich führen kann)
  • Fertigfutter/ Pellets (auch hier ist oft tierisches Eiweß enthalten)
  • Gemüse (die meisten Sorten, enthalten wie Obst Zucker und zerstören ebenfalls die Darmflora)
  • Vitaminpräparate (bei einer ausgewogenen Ernährung sind Vitaminpräparate nicht nur überflüssig, sondern können sogar zu einer gesundheitsschädlichen Überdosierung führen)

Wieso diese einzelnen Lebensmittel ungesund für Schildkröten sind werden wir demnächst noch in einzelnen Berichten genauer erläutern.

Man darf sich nicht immer darauf verlassen, dass das was die Schildkröte gerne frisst auch gut für sie ist. Auf natürliche Weise wissen sie zwar, welche Pflanzen evtl. giftig sein könnten, jedoch können sie süßem Obst oder Quark nicht widerstehen. So wie wir Menschen gerne Pizza und Schokolade essen, obwohl es nicht grade die beste Ernährung darstellt, fressen Schildkröten auch gerne das, was lecker schmeckt. Also verlasst euch nicht darauf!

In der Natur fressen mediterrane Landschildkröten vor allem sehr rohfaserreiche Kost, da sie in kargen, kalksteinhaltigen Gegenden leben. Im Sommer sind die Landschaften verdorrt, sodass der größte Teil der aufgenommenen Nahrung trocken ist. Frisches, eiweißhaltiges Futter bekommen sie nur im Frühling oder Herbst, wenn die Vegetation zu sprießen beginnt und ihnen frische Triebe und Keimlinge zur Verfügung stehen. Dieses ist über das gesamte Jahr ungeeiget, da es ballaststoff- und rohfaserarm ist. In unseren Breitengraden ist es nicht ganz so einfach, unseren Schildkröten im Sommer trockene Kost anzubieten, da hier auch zu dieser Zeit noch vieles saftig blüht, vor allem wenn sie sich eigenständig in ihren Gehegen ernähren können. Im Terrarium hat man die Möglichkeit getrocknete Gräser anzubieten. Im Gehege, muss man sich überwinden, so manche Pfanzen verdorren zu lassen, wobei einem der ständige Regen oft einen Strich durch die Rechnung macht.

Richtlinien für geeignete Futterpflanzen

  • Ungedüngt
  • Ungiftig
  • Nicht vom Straßenrand (Abgase und Hundeurin werden von den Pflanzen aufgenommen)
  • Wenig Eiweiß
  • Wenig Kalorien
  • Wenig schnellverwertbare Kohlenhydrate (Zucker)
  • Viel Kalzium (das Kalzium- Phosphor- Verhältnis sollte 2:1 betragen. Also 2 Mal so viel Kalzium wie Phosphor)
  • Viele Ballaststoffe/ hoher Rohfasergehalt
  • Viele Vitamine und Mineralien
  • Abwechslung

Geignete Futterpflanzen für eine abwechslungreiche Ernährung findet ihr im Pflanzenlexikon.

Für den Kalziumbedarf sollte man seinen Schildkröten immer Sepiaschale zur Verfügung stellen, damit sie selbst regulieren können, wie viel sie aufnehmen. Kalziumpräparate, die man auf das Futter streut, sind mit Vorsicht zu genießen, da es auch hier zu einer bedrohlichen Überdosierung kommen kann. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Boden im Gehege im Herbst mit Kalksteinbruch aufzukalken.

 

Quellen:
Carolin Dennert (2008): Ernährung von Landschildkröten, 4. Auflage. Münster: Natur und Tier – Verlag

Die Verdauung der Landschildkröte – allgemeines zur Ernährung

2 Gedanken zu „Die Verdauung der Landschildkröte – allgemeines zur Ernährung

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